Parque Nacional Corcovado

Fortsetzung… zu Teil 1 der Rundreise.

Wir sind bereits eine gute Woche in Costa Rica unterwegs und nähern uns langsam dem Highlight unseres Urlaubs.

Der Parque Nacional Corcovado liegt auf der Osa-Halbinsel, ganz im Süden des Landes an der Grenze zu Panama. National Geographic Society attestierte der Osa-Halbinsel eine der höchsten Artenvielfalten unseres Planeten und genau dort wollen wir hin. Bereits die Anreise ist spannend, denn sie führt durch 9 Flüsse und ist nur in der Trockenzeit mit dem Auto machbar.  Ich sehe der Fahrt mit gemischten Gefühlen entgegen, aber Thomas freut sich bereits den ganzen Urlaub auf diese abenteuerliche Strecke.

Ja, auch durch den breiten Fluss im Bild unten links sind wir gefahren. Amelie testet mutig die Tiefe des Wassers… wie gesagt Abenteuer pur!

Unser Quartier ist in Drake Bay, einem kleinen beschaulichen Dorf.

Gleich am nächsten Morgen um 6 Uhr brechen wir zu einer Tagestour in den Nationalpark Corcovado auf. Dieser darf zum Schutze der Tiere nur mit einem einheimischen Führer besucht werden. Die Bootsfahrt bis zum Parkeingang dauert etwa 1 1/4 Stunden und wir genießen die Morgenstimmung auf dem Meer.

Im Park angekommen, werden wir von einer wahnsinnigen Geräuschkulisse empfangen. Hunderte von Affen rasen durch den Wald. Alle vier in Costa Rica vorkommenden Affenarten auf einem Fleck… Brüllaffen, Kapuzineraffen, Totenkopfäffchen und Klammeraffen. Sie jagen einander, turnen von einem Ast zum anderen, einfach toll sie zu beobachten. Fürs Fotografieren kaum geeignet, aber was zählt ist die Erinnerung.

Am liebsten würden wir den Affen noch ewig zuschauen, aber es gibt noch viel mehr zu sehen. Zunächst geht es durch den Regenwald, immer wieder queren Affen unseren Weg, ehe wir den Strand erreichen. Dort beobachten wir Wasservögel, ein Krokodil, Einsiedlerkrebse und kehren wieder in das dichte Grün zurück.

Anna-Lena entdeckt diesen Trogon

Ein Iguana und Basilisk in bester Tarnung. Der Basilisk ist ein mystisches Tier und gilt als der König der Schlangen. In mittelalterlichen Tierbüchern werden Basilisken oft als Mischwesen mit dem Oberkörper eines Hahns, auf dem Kopf eine Krone und dem Unterleib einer Schlange dargestellt.

Kurze Zeit später verlassen wir den Weg und schleichen ins Dickicht… kaum zu glauben… ein schlafendes Pekari (südamerikanisches Wildschwein).

Und wir trauen unseren Augen kaum, als von hinten eine ganze Horde Pekaris dicht an uns vorbei läuft, sich gemütlich ein Plätzchen sucht und ihr Nickerchen macht. Nach etwa 10 Minuten liegen etwa 15 Pekaris vor uns, die ihre Ruhe suchen, um am Abend wieder auf die Pirsch zu gehen.

Nach einer kurzen Lunchpause an der Biological Station geht es weiter… Thomas hat immer noch nicht seinen Tapir gesehen.

Am Wegesrand entdecken wir große Fußspuren, die zu einem Tapir führen… und siehe da… wir haben Glück. Ein Tapir!

Tapir

Wieso der Tapir auf Thomas Wunschliste steht? Tapire stellen eine sehr seltene Gattung dar, es gibt nur vier Arten von Tapiren weltweit, drei davon in Mittel- und Südamerika und eine in Malaysia. Tapire sind vom Aussterben bedroht und es gibt in ganz Mittelamerika nur noch 5.500 Exemplare. In Corcovado werden sie geschützt und die Chance, hier einen anzutreffen, ist relativ hoch. Thomas ist auf jeden Fall glücklich.

Wir gehen nochmals zum Strand und lassen uns die Meeresbrise um die Nase wehen. Inzwischen ist es doch recht heiß geworden.

Kaum zu glauben, wir sehen im Dickicht nahe des Strandes noch einen schlafenden Tapir.

Tapir

Kurze Zeit später beobachten wir ein Faultier mit seinem Nachwuchs, wie es sich im Schneckentempo im Baum fortbewegt.

Wir halten an einem Absperrband an und unser Guide fordert uns auf, eine Schlange zu suchen. Sie liegt in 2 Meter Entfernung vor uns, so gut getarnt, dass wir sie nicht sehen. Es ist die Fer-de-lance, eine der giftigsten Schlangen der Welt. Aus Sicherheitsgründen also das Absperrband.

Fer-de-lance

Nach so einem erlebnisreichen Tag begeben wir uns auf unser kleines Boot und lassen uns gemütlich nach Drake Bay zurück schippern.

Glücklich und zufrieden kehren wir in unsere Lodge zurück und lassen den Tag in der Hängematte zwischen all den bunten Vögeln ausklingen.

Heute stehen Strand und Baden auf dem Programm. Unsere Hosts empfehlen uns einen kleinen, abgelegenen Strandabschnitt, den wir nach einer halben Stunde Fußmarsch erreichen. Herrlich, ruhig, das Meeresrauschen… Thomas und Amelie bauen eine Sandburg, Anna-Lena verkriecht sich in ihr Buch und ich… ich lasse einfach meine Gedanken in die Ferne schweifen.

Ups, die Welle war höher als vermutet

Am Abend brechen wir auf zu einer Nachttour mit der Bug Lady. Sie ist – wie ihr Name schon sagt – spezialisiert auf Käfer und Co. und es ist eine Nachttour der ganz besonderen Art. Ganz zu Anfang erklärt sie uns, wie man winzigste Spinnen bei Nacht entdecken kann.

Wir halten an einer moosbedeckten Stelle an und sehen zunächst nichts. Die Lady Bug öffnet mit einer Pinzette ein winziges 1-2 cm großes Moostürchen. Hier wohnt eine Falltürspinne (trapdoor spider). Trapdoor Spiders wohnen in Röhren im Boden und verschließen diese mit einem Deckel aus Spinnseide, getarnt mit Erde oder Pflanzenteilen. Faszination Natur.

Zu jedem Tier erzählt uns die Bug Lady interessante und spannende Fakten… über die Vine Snake, Riesen Kakerlake oder Fledermäuse, von denen es in Costa Rica über 106 verschiedene Arten gibt.

Ein Faultier klettert hoch über unseren Köpfen im Baum und hält immer wieder neugierig Ausschau nach uns.

Auch der Red-eyed Tree Frog begegnet uns noch einmal, sehr zur Freude von Amelie.

Wow, was für eine tolle Nachttour. Wir wandern noch mit Taschenlampe bewaffnet 20 Minuten zurück zum Ort und fallen müde, aber glücklich ins Bett.

Am nächsten Tag verabschieden wir uns von einem tierreichen und farbenfrohen Corcovado.

Und natürlich geht es wieder durch 9 Flüsse zurück aufs Festland.

Mehr Bilder der gesamten Reise gibt es in flickr

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3 Gedanken zu “Parque Nacional Corcovado

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