Die Marksburg

An Ostern haben wir endlich mal Rheinhessen näher erkundet. Wer weiß denn schon, dass der Mittelrhein zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört?

Die Schönheit der Natur, überwältigende Panoramen und die einzigartige Dichte an Burgen und Schlössern über sonnenbeschienenen Weinhängen machen das Tal bis heute zu einem der großen Tourismusziele Europas.

Und eine dieser schönen Burgen ist die Marksburg.

Um 1100 wird die Marksburg als Adelssitz erbaut und schon bald an die Pfalzgrafen am Rhein übergeben. Im Gegensatz zu den anderen Burgen der Umgebung ist sie die einzig nie zerstörte Höhenburg am Mittelrhein und bietet deshalb einen interessanten Einblick in das Leben im Mittelalter.

Von hier oben haben wir erst mal einen herrlichen Blick auf den Rhein und die Weinberge.

Marksburg 08

Das Innere der Burg kann nur mit einer Führung besichtigt werden und dies lohnt sich auf alle Fälle, denn schon das Betreten der Festung durch die gewaltigen Burgtore und die unebenen Treppen sind ein Erlebnis. Unsere Zeitreise beginnt am Zugbrückentor.

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Das älteste Gebäude der Burg, der romanische Palas, war ein herrschaftlicher Bau, der mehrere Nutzen unter einem Dach vereinte: Beratung, Rechtsprechung, Verwaltung, Wohnen und auch Feiern. Der Palas war zu allen Zeiten – bis heute – bewohnt. Kaum zu glauben, wie mühsam es sein muss, alles über diese endlosen Gänge, Treppen und Unebenheiten ins Innere zu transportieren. So romantisch stellen wir uns das Leben auf einer Burg nicht vor.

Die große Batterie mit Kanonen aus napoleonischer Zeit sollten das Rheintal sichern. Ihre Reichweite betrug etwa 1000 Meter. Die Kanonen kamen jedoch nie zu kriegerischen Zwecken zum Einsatz, sondern lediglich in Friedenszeiten zum Salutschießen, wenn hohe Herrschaften auf dem Rhein vorbei fuhren.

Weiter geht es durch die Burgküche, die eher einer Halle ähnelt. Aber zu „guten“ Zeiten lebten hier schätzungsweise 200 Personen, die versorgt werden mussten.

In dem gotischen Gewölbe des Weinkellers erfahren wir Interessantes über die Trinkgewohnheiten und den erstaunlichen Weinkonsum im Mittelalter – rund 2 bis 3 Liter tranken die edlen Rittersleut pro Tag.

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1437 wird die Burgkapelle Sankt Markus erstmals erwähnt und vermutlich stammt auch daher der Name Marksburg. Sie ist mit ihrem schönen zehnteiligen spätgotischen Gratgewölbe der am aufwendigsten gestaltete Raum der Burg. In einer Wandnische steht die Replika einer spätgotischen Madonna von 1445.

Wir verlassen die Kapelle durch eine winzige Tür und steigen diese enge Treppe zum ehemaligen Wehrgang hinauf, der einst Kapellenturm und Romanischen Palas verband.

In der Rüstkammer staunen wir über die 14 lebensgroßen Rüstungen aus dem Jahr 1880. Sie veranschaulichen die Entwicklung der Panzerung des Kriegers von der Antike bis zur frühen Neuzeit. Besonders interessant finden wir die Belüftung der Helme. Dieser Helm rechts war der erste Helm mit schwenkbarem Visier und erinnert uns eher an eine Ente.

Auf dem höchsten Punkt des Burgfelsens steht der fast 40 Meter hohe schlanke Bergfried. Der quadratische Turm wurde rund 200 Jahre später durch einen runden Aufsatz erweitert und wird aufgrund seiner Architektur auch als Butterfassturm bezeichnet.

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Nicht nur uns hat diese Führung sehr beeindruckt, sondern auch Touristen aus Japan. Sie waren beim Anblick so begeistert, dass sie die Burg ernsthaft kaufen und nach Japan bringen wollten. Die Eigentümerin wollte aber nicht verkaufen und so blieb das Wahrzeichen am Mittelrhein erhalten. Allerdings wurde die Burg genau vermessen und in Japan eine originalgetreue Kopie errichtet.

Es bleibt nun jedem selbst überlassen, ob er das Original am Rhein oder den Nachbau in Japan besuchen will. Sehenswert sind sicher beide Burgen.

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