Speyer – wunderschönes UNESCO Weltkulturerbe

Speyer ist eine der ältesten Städte Deutschlands… 2000 Jahre Geschichte. Bekannt ist vor allem das Wahrzeichen der Stadt, der Kaiserdom, die weltweit größte romanische Kirche. Seit 1981 zählt sie zum UNESCO Weltkulturerbe und darauf sind die Speyeraner mächtig stolz. Aber Speyer hat viel mehr zu bieten und ich bin mal wieder begeistert, wie schön Deutschland ist. Ähnlich erging es mir vor 2 Jahren in Erfurt, man kennt den Städtenamen, hat aber nur eine wage Vorstellung, von dem was einen erwartet … seht selbst.

Unsere Tour beginnt am Altpörtel, dem westlichen Stadttor Speyers. Dieser war Teil der mittelalterlichen Befestigung zu der einst 68 Türme gehörten. Am 55 Meter hohen Turm sind 2 Zifferblätter angebracht, die Zeiger des oberen Zifferblattes zeigen die Stunden an, die Zeiger des unteren die Viertelstunden. Interessant ist, dass das Zifferblatt auf der stadtabgewandten Seite deutlich größer ist, damit im Mittelalter die Bauern auf dem Feld die Uhrzeit lesen konnten.

Wir schreiten durch den Torbogen und stehen auf der Hauptstraße, der ehemaligen Prachtstraße Via Triumphalis. Erst 1816, als die Pfalz zu Bayern kam, wurde sie nach König Max I. Joseph in Maximilianstraße umbenannt. Für alteingesessene Speyeraner ist sie aber nach wie vor die „Hauptstraß“.

Die Prachtstraße mit den bunten Fassaden, dem Blick auf den Altpörtel und die vielen Straßencafés verleihen Speyer einen herrlich südländischen Flair.

In dem historischen roten Rathaus am Marktplatz residierten im 18. und 19. Jahrhundert die Stadtväter.  Die „Alte Münze“ war seit 1289 Versammlungsort des Rates und zudem Sitz der Münzer, jener Privilegierten, die die Erlaubnis hatten, Münzen herzustellen. Das ursprüngliche Gebäude wurde 1689 zerstört und 1784 als „Neues Kaufhaus am Markt“ wieder errichtet.

Die romantische Korngasse, die bereits 1327 erwähnt wurde, lädt zum Verweilen ein. Neben den vielen Eisdielen gibt es vor allem leckere Pfälzer Spezialiäten wie Saumagen, Flammkuchen und einer typisch Speyerer Kreation: Wurstsalat mit Pommes… dazu ein Gläschen Pfälzer Wein, das ist fein.

Auf den Spuren des Jakobsweges… Speyer ist der Ausgangspunkt des Pfälzischen Jakobweges und bildet bereits im Mittelalter eine wichtige Station.

Die Dreifaltigkeitskirche ist die älteste der fünf protestantischen Kirchen (1701 – 1717). Die Inneneinrichtung aus Holz ist dem Umstand zu verdanken, dass die Gelder knapp waren und Holz preiswert zur Verfügung stand. Sie besitzt noch weitestgehend die ursprüngliche Ausstattung mit einem reich bemalten Holzgewölbe. Aktuell wird die Kirche renoviert und wir können leider keinen Blick ins Innere werfen.

Weiter geht es durch die große Himmelsgasse in die Altstadt mit dem Fischmarkt und Holzmarkt. Sie dienten als Umschlag- und Marktplatz und sind heute ein begehrtes Wohnviertel.

Der Retscherhof, im Volksmund „Retscher-Ruine“ genannt, sind die Reste des Hauses der ehemaligen Speyerer Patrizierfamilie der Retschelin.

Von der einzig erhaltenen mittelalterlichen Brücke in Speyer, der Nikolausbrücke,  haben wir einen schönen Blick auf den Dom. Im Vordergrund das Fachwerkhaus „Zum Halbmond“ mit einem polygonalen Erker. Der „Halbmond“ wurde ursprünglich von einem Fährmann als Versorgungsstation für Schiffer genutzt und erst Ende des 19. Jahrhunderts zur Gastwirtschaft umgebaut.

Wir stehen auf dem großzügigen Domplatz mit einer weiteren netten Sehenswürdigkeit, dem Domnapf. Dieser soll gemäß der Überlieferung nach jeder Neuwahl eines Bischofs für das gesamte Volk mit Wein gefüllt werden. Er fasst immerhin 1.580 Liter Wein. Da dies den Speyeranern aber zu selten ist, finden sie jede Menge andere Anlässe um diese Tradition zu feiern.

Mit dem Bau des Domes zu Speyer wollte Konrad II. in den 1020er Jahren seinen Machtanspruch gegenüber dem Papsttum ausspielen und die größte Kirche seiner Epoche errichten. 30 Jahre Bauzeit benötigten die Baumeister und schon 20 Jahre nach der Einweihung des Gotteshauses wurde erweitert, um Aussehen und Pracht des Kirchengebäudes weiter zu steigern. Heute ist sie die größte romanische Kirche und UNESCO Welterbe.

Unser Rundgang endet am mittelalterlichen Judenhof mit Synagoge und Mikwe , einem rituellen Reinigungsbad. Der Judenhof war der zentrale Bezirk des mittelalterlichen jüdischen Viertels von Speyer. Da Juden keine Handwerksberufe ausüben durften, wurde die Synagoge von den gleichen christliche Baumeistern erbaut wie der Dom.

Das Ritualbad (Mikwe) fand erstmals 1126 Erwähnung und blieb nahezu unverändert über die Jahrhunderte hinweg erhalten. Sie ist die älteste Anlage ihrer Art in Mitteleuropa und somit von besonderer kulturhistorischer Bedeutung. Wir schreiten die sehr unregelmäßigen Treppen hinab in den Vorraum mit Kreuzgewölbe.

In dem quadratischen Tauchbecken, 10 Meter unter der Erde, nahmen die Juden ihre kultische Reinigung durch Untertauchen in kaltes „natürliches“ Wasser vor.

Speyer, wir kommen ganz sicher wieder, denn auch dein Brezelfest im Juli klingt sehr verlockend.

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8 Gedanken zu “Speyer – wunderschönes UNESCO Weltkulturerbe

  1. Sehr schön! Auch die farbenfrohen Shirt Deiner Mitreisenden! 😉
    Da fällt mir ein, dass ich seit fast nem Jahr noch ne ganze Menge Heidelberg- und Speyer-Fotos hier habe, die es noch nicht auf meinen Blog geschafft haben. Tststs!

    Gefällt mir

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